Wir haben anlässlich der Nationalratswahl nachgefragt:

Statements der politischen Parteien

zur Arbeitskräfteüberlassung

Zeitarbeit soll auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Wir haben die Parteien gefragt, wie sie zur Arbeitskräfteüberlassung stehen. Die politischen Positionen finden Sie unterhalb, von der FPÖ und JETZT erhielten wir bis Redaktionsschluss keine Antworten. Zu Ihrer Orientierung finden Sie die Rückmeldungen geordnet nach der parlamentarischen Stärke der Parteien.

Die nach Redaktionsschluss eingegangenen Antworten der FPÖ wurden am Ende des Newsletter-Artikels eingefügt.

Tanja Graf
Abgeordnete zum Nationalrat

Wie stehen Sie zur Arbeitskräfteüberlassung?
 
Arbeitskräfteüberlassung stellt eine wichtige Dienstleistung in der Wirtschaft dar und hat sich zudem in den letzten Jahren auch als attraktive Beschäftigungsform etabliert, die den Anforderungen des Arbeits- und Sozialrechts gerecht wird.
 
Leistet die Arbeitskräfteüberlassung einen positiven Beitrag zum Arbeitsmarkt und zur wirtschaftlichen Gesamtsituation in Österreich?
 
Arbeitskräftüberlassug bietet Unternehmen einen schnellen Zugang zu Experten (Facharbeiter, IT Experten, Ingenieure u.a.) und bietet vielen Jobwechslern einen schnellen Zugang zu interessanten Stellenangeboten. Für Arbeitsuchende dienen Arbeitskräfteüberlasser als Türöffner in den Arbeitsmarkt und sorgen damit dafür, dass wertvolle Arbeitsplätze in Österreich gehalten werden können.
 
Soll die Arbeitskräfteüberlassung mehr reglementiert, gleich bleiben, oder liberalisiert werden? – falls möglich, warum?
 
Der Gewerbezugang sollte jedenfalls reglementiert bleiben, damit diese Dienstleistungen weiterhin von qualifizierten Unternehmen angeboten werden, die über die rechtlichen Besonderheiten dieses Gewerbes Bescheid wissen.
Zusätzliche Beschränkungen der Arbeitskräfteüberlassung, die über europarechtliche Vorgaben hinausgehen, sollen vermieden werden, da mit einem derartigen „golden plating“ negative Auswirkungen auf den gesamten Österreichischen Wirtschaftsstandort verbunden sind. Eine weitere Regulierung würde nur dazu führen, dass inländische überlassene Arbeitskräfte durch noch mehr ausländische entsendete Arbeitskräfte ersetzt werden.


SPÖ, Abg. z. Nationalrat Josef Muchitsch,
Obmann des Ausschusses für Arbeit und Soziales im NR,
Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz

Wie stehen Sie zur Arbeitskräfteüberlassung?
Im Sinne ihrer historischen Fokussierung, temporär Produktivitätsspitzen abzudecken sowie nachgefragte SpezialistInnen zu vermitteln, stehen wir grundsätzlich an der Seite der AKÜ.
Sozialpartnerschaftliche Maßnahmen, wie der AKÜ Sozial- und Weiterbildungsfonds, stete Weiterentwicklungen kollektivvertraglicher Bestimmungen und die Umsetzung von EU-Richtlinien trugen letzthin zum besseren Image der Branche und zur verbesserten Situation der überlassenen Arbeitskräfte bei.
Einer breiten „Parallelarbeitsgesellschaft“ mit vorwiegend befristeten Arbeitsverhältnissen stehen wir aus sozialpolitischen Gründen zugleich sehr kritisch gegenüber!
 
Leistet die Arbeitskräfteüberlassung einen positiven Beitrag zum Arbeitsmarkt und zur wirtschaftlichen Gesamtsituation in Österreich?
Ja, wenn die AKÜ bei ihren Beschäftigten auf die Verstetigung von Arbeitsverhältnissen achtet und ArbeitnehmerInnen nicht immer wieder in die Arbeitslosigkeit zurückgestellt werden.
Nur mit "qualifizierten" Weiterqualifizierungsmaßnahmen der Beschäftigten der AKÜ kann auch die in die AKÜ-Unternehmen gesetzte Hoffnung, den Facharbeitermangel teilweise zu kompensieren, bewältigt werden. Eine "Win-win-Situation“ für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt wäre damit erreicht.
 
Soll die Arbeitskräfteüberlassung mehr reglementiert, gleichbleiben, oder liberalisiert werden? – falls möglich, warum?
Einer Liberalisierung stehen wir kritisch gegenüber. Die alleinige "Regelungshoheit des Marktes" wirkt sich unreglementiert für minderqualifizierte Beschäftigte tendeziell negativ aus.
Für diese Zielgruppe braucht es im Gegenteil bis zur völligen Gleichstellung weitere gemeinsame Anstrengungen im sozialversicherungsrechtlichen und arbeitsrechtlichen Bereich, damit überlassene Beschäftigte nicht die "billigeren" Standardarbeitskräfte werden.


Mag.iur. Gerald Loacker,
Abgeordneter zum Nationalrat,
stv. Klubobmann der NEOS

Wie stehen Sie zur Arbeitskräfteüberlassung?
 
Arbeitskräfteüberlassung ist für viele Arbeitsuchende der erste Schritt zurück in ein festes Beschäftigungsverhältnis. Gleichzeitig ermöglicht die Überlassung den Unternehmen, flexibel auf die Auftragslage zu reagieren.

 
Leistet die Arbeitskräfteüberlassung einen positiven Beitrag zum Arbeitsmarkt und zur wirtschaftlichen Gesamtsituation in Österreich?
 
Der Sprung in den Arbeitsmarkt gelingt vielen Arbeitsuchenden, wenn sie im Wege der Überlassung eine Arbeit aufnehmen und so die Chance auf eine feste Stelle bekommen. Unternehmen haben Zeit, sich von Mitarbeitern und deren Qualitäten zu überzeugen. Neueinstellungen erfolgen mit einem guten Eindruck von der fachlichen und persönlichen Eignung.

 
Soll die Arbeitskräfteüberlassung mehr reglementiert, gleich bleiben, oder liberalisiert werden? – falls möglich, warum?
 
Die Reglementierung ist in den letzten Jahren an die Grenze des Erträglichen getrieben worden. Mit dem Sozial- und Weiterbildungsfonds wurde eine Konstruktion geschaffen, die hohe Lohnnebenkosten produziert, aber nicht annähernd den gewünschten Nutzen erzielt.


Werner Kogler
Bundessprecher, Kandidat für die Nationalratswahl

Wie stehen Sie zur Arbeitskräfteüberlassung?

Die Arbeitskräfteüberlassung ist eine Möglichkeit, auf kurzfristige Auftragsspitzen zu reagieren. Ein Abstellen auf dauernde Arbeitskräfteüberlassung lehnen die Grünen ab, da dies unsichere Arbeitsverhältnisse zur Folge hat, den Sozialstaat schwächt und keine sicheren und nachhaltigen Lebensgrundlagen schafft.

Leistet die Arbeitskräfteüberlassung einen positiven Beitrag zum Arbeitsmarkt und zur wirtschaftlichen Gesamtsituation in Österreich?

Wo es um die Abdeckung von Auftragsspitzen und um die Schaffung neuer Jobs geht, kann Arbeitskräfteüberlassung einen sinnvollen Beitrag leisten.

Soll die Arbeitskräfteüberlassung mehr reglementiert, gleich bleiben, oder liberalisiert werden? falls möglich, warum?

Die Grünen treten dafür ein, Arbeitskräfteüberlassung sowohl hinsichtlich des Anteils an einer Belegschaft sowie hinsichtlich ihrer Dauer zu begrenzen. Wir schlagen außerdem eine gesetzliche Umwandlung in eine dauerhafte Beschäftigung beim Betrieb, bei dem die Arbeitsleistung erbracht wird, nach einer bestimmten Frist vor.

Ziel muss es sein, sichere und nachhaltige Beschäftigung zu schaffen, die Kompetenz der Arbeitnehmer*innen zu erhalten und zu erhöhen sowie die soziale Absicherung zu garantieren. Die Vorschläge der Grünen zielen in die Richtung, die Beschäftigung von Menschen in der Arbeitskräfteüberlassung in diese Richtung weiterzuentwickeln.


Mag. Christian Ragger,
Abgeordneter zum Nationalrat

Nach Redaktionsschluss des Newsletter eingelangt.

Wie stehen Sie zur Arbeitskräfteüberlassung?

Namhafte österreichische Unternehmungen vertrauen zurecht ihren langjährigen Partnern in der Arbeitskräfteüberlassung, welches als etabliertes Beschäftigungsmodell gilt. ArbeitnehmerInnen können darauf bauen, durch den eigenen Kollektivvertrag fair und gerecht entlohnt zu werden. Gerade für junge Jobeinsteiger bietet die Branche Möglichkeiten, das erste Mal am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Daraus entsteht für Organisationen wie auch Menschen eine höhere Flexibilität um auf die gegenseiteigen Bedürfnisse eingehen zu können. Vorteile für Arbeitnehmer: schnelle Jobvermittlung; höherer Verdienst durch Referenzzuschläge sowie eine höhere Jobvielfalt. Vorteile für Unternehmer: weniger innerbetrieblicher Aufwand für das Recruiting, flexible Spitzenabdeckung bei erhöhtem Personalbedarf, etc.

Leistet die Arbeitskräfteüberlassung einen positiven Beitrag zum Arbeitsmarkt und zur wirtschaftlichen Gesamtsituation in Österreich?

Selbstverständlich. Diese Dienstleistung schafft Beschäftigung und trägt damit zum Wirtschaftswachstum bei.

Soll die Arbeitskräfteüberlassung mehr reglementiert, gleich bleiben oder liberalisiert werden? – falls möglich, warum?

Österreich ist ein Land, welches sich einen hohen Standard bei Arbeitgeber- und Arbeitnehmerrecht miteinander erarbeitet hat. Es sollte daher jedenfalls weiter eine Reglementierung für das Gewerbe geben, damit lediglich seriöse und professionell agierende Überlasser bei uns tätig werden können. Nur so kann die Reputation der Branche auch weiterhin erfolgreich bestehen.