Interview

mit Heidi Blaschek

Ursprünglich aus der gehobenen Hotellerie, hat Heidi Blaschek beim größten Personaldienstleistungsunternehmen in Österreich den Job des Personaldienstleisters von der Pike auf gelernt. Seit 2010 ist Heidi Blaschek gewerberechtliche Geschäftsführerin des Unternehmens DIE JOB SCHNEIDER PERSONALDIENSTE GMBH. Heidi Blaschek engagiert sich seit 2013 als Interessensvertreterin in der WKW und der WKO, wo sie seit 2016 die Funktion der Berufsgruppensprecherin der Wiener Personaldiensleister inne hat. Dieses Ehrenamt erlaubt ihr eine noch intensivere Auseinandersetzung mit der Wirtschaft, der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt. Seit Juni 2020 fungiert sie als Fachgruppenobfrau der Gewerblichen Dienstleister und vertritt mit dieser Aufgabe die Interessen von rund 7.000 Betrieben und 18 verschiedenen Berufszweigen.

 

Anlässlich der Neuwahl haben wir Heidi Blaschek ein paar Fragen gestellt:

Was sind Ihre persönlichen Ziele in der neuen Funktion?

Seit 22.06.2020 bin ich Fachgruppenobfrau der gewerblichen Dienstleister in Wien und am 8.10.2020 wurde ich ein weiteres Mal zur Branchensprecherin der Wiener Personaldienstleister gewählt.

Als Fachgruppenobfrau vertrete ich die Interessen von rund 7000 Mitgliedern, die aus 18 verschiedenen Berufszweigen stammen – darunter auch der Zweig der „Sonstigen Dienstleistungen“. Diese Tatsache macht unsere Gruppe sehr heterogen. Mein Ziel ist es daher zuerst aufzuklären und eine Identifikation aller 18 Berufszweige zu der Fachgruppe – den „Gewerblichen Dienstleistern“ herzustellen. Besonders jetzt, in Zeiten von Corona ist es wichtig, dass die Mitglieder nicht nur wissen, dass Sie z.B. Personaldienstleister, Detektive oder Sprachdienstleister sind, sondern dass Sie den „Gewerblichen Dienstleistern“ zugeteilt sind und dort Beratung, Information, Weiterbildung, Pressearbeit … etc. organisiert und geleistet wird. Es ist mir wichtig, dass die Mitglieder dies wahrnehmen und sich auch bewusst sind, dass Sie über ein aktives Stimmrecht bei der jährlichen Fachgruppentagung haben, bei der es um grundlegende Entscheidungen geht. In Folge bin ich mir trotz der Diversität sicher, dass es gemeinsame unternehmerische Interessen gibt, die ich gerne in den Bund weitertragen möchte, um mich aktiv für die daraus entstehenden Gesamtinteressen einzusetzen.

In meiner Rolle als Branchensprecherin für die Personaldienstleister möchte ich ab sofort vermehrt auf aktiven, persönlichen Austausch mit den Mitgliedern zählen. Denn nur so bekomme ich einen wirklichen Überblick über die aktuellen Anliegen der Unternehmen. Während der Krise habe ich mich im Hintergrund sehr dafür eingesetzt, dass die Angleichung der Arbeiter an die Angestellten hinsichtlich der Kündigungsfristen zumindest aufgeschoben werden. Hierbei haben mich meine guten Kontakte zu unserer Spartenobfrau und Abgeordneten z.NR. Maria Smodic-Neumann und zu unserer Stv. Bundessprecherin und Abgeordneten z.NR. Tanja Graf sehr unterstützt und ich hoffe weiterhin auf ein gutes Ergebnis.

Dass gerade während der Corona-Krise unsere Branche so unter Misskredit geraten ist, zeigt, dass es ein Schwerpunkt sein muss, eine österreichweit einheitliche Aufklärungsarbeit zu leisten und Personaldienstleistung unter das Licht gestellt werden muss, das es sich verdient hat. Personaldienstleister leisten einen unabdingbaren Beitrag zur Wirtschaft und sind die Kenner des Arbeitsmarktes. Unsere heimischen Betriebe sorgen für hohe Mitarbeiterzufriedenheit und beleben den Arbeitsmarkt. Das ist die Botschaft die hör- und spürbar gemacht werden soll. Weiters soll es nicht wie in Deutschland zu einer Begrenzung unserer Branche führen – auch hierfür setzte ich mich voller Energie ein.

 

Wie sehen Sie das Image der AKÜ Branche vor und nach COVID-19 und was ist Ihrer Meinung nach notwendig, um das Image der Branche nachhaltig zu verbessern?

Ich denke, dass Covid bereits eine grundlegende Trendwende für die Personaldienstleister hätte sein können. Dass die Personaldienstleister hier durch falsche Presseberichte scheinbar für den Wien-Wahlkampf benutzt wurden, ist mehr als traurig. Gerade in Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt durch Corona-bedingte Maßnahmen, wie z.B. Kurzarbeit und wirtschaftliche Einbrüche lahmgelegt wurde, werden Experten benötigt. Keiner kennt den Arbeitsmarkt besser, als die Personaldienstleister. Keiner kann besser flexibel auf solche Situationen reagieren, als die Personaldienstleister – dies zeigt, was ich schon lange gerne sage: Alle brauchen Zeitarbeit!

Statt den Anschwärzungen könnte man uns Personaldienstleister auch ins Boot holen, als Experten und Ideenlieferanten, als die, die es nun schaffen dort geeignetes Personal zum Einsatz zu bringen, wo es gebraucht wird – denn es gibt auch Gewinner der Krise – die händeringend nach Personal suchen. Hier sollten Kooperationen entstehen – warum nicht über einen politischen Aufruf. Um unser Image nachhaltig zu verbessern, müssen wir uns ein Stück weit neu aufstellen und selbstbewusst zeigen – Wir sind die Experten am Arbeitsmarkt – wir sind die, die jetzt gebraucht werden, mit zufriedenem Personal, guter Expertise und Ideen, die der Wirtschaft und der Volkswirtschaft helfen, aus der Krise zu kommen.
 

Wie sehen Sie die Zukunft des SWF generell und im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel?

Der SWF ist ein Fonds, bei dem sich innerhalb der letzten Jahre erst herauskristallisiert hat, wie er eigentlich funktionieren kann. Es gibt einige Betriebe, die den Sozial- und Weiterbildungsfond erfolgreich in ihre Geschäftsmodelle einbauen und welche, die ihn noch nicht nutzen konnten. Bildung und Weiterbildung ist natürlich das Schlagwort der Zukunft. Ob der SWF die Antwort auf die Bildungsfrage in unserer Branche ist, beobachte ich sehr wachsam. Im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel ist der SWF für manche Nutzer sicherlich eine sehr gute Möglichkeit.
 

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Branche nach dem Corona-bedingten Rückgang ein?

Dies ist keine Wirtschaftskrise wie wir sie schon einige Male kennengelernt haben. Bedarf an Zeitarbeit wird es jedoch immer geben – wie genau und wann – wird sich zeigen.

Das Krankenstand-Management der Unternehmen wird von Herbst 2020 bis ins Frühjahr 2021 für viele Unternehmen zu einer großen Herausforderung werden. Schulen und Kindergärten werden von Schließungen betroffen sein, leicht verschnupfte Mitarbeiter werden zu Hause bleiben müssen, Corona-Erkrankte sind mit oder ohne Symptome mindestens 10 Arbeitstage in Quarantäne. Manche Personenkreise werden generell zum Daheimbleiben angehalten – somit muss es hier zur Kompensation von Engpässen kommen – wer könnte das besser als wir – die Personaldienstleister. Sobald die Kurzarbeit ausläuft und die Wirtschaft wieder hoch fährt, beginnen mit Sicherheit die ersten Neueinstellungen – auch hier kommt Zeitarbeit wieder zum Einsatz, als Erstmaßnahme einer noch ungewissen Entwicklung. Branchenintern hat es sicherlich für einige Kollegen leider das Aus bedeutet, was ich sehr bedaure, und andere konnten in der Kriese neue Ideen entwickeln oder sogar Personal aufbauen.

In meiner Interessensvertretung sehe ich es als eine sehr wichtige Aufgabe nun wegweisende Ideen zu liefern, und Imageaufbau zu betreiben, damit so viele Personaldienstleister wie nur möglich erfolgreich und der Zeit entsprechend weiterarbeiten können.

 

Vielen Dank Heidi Blaschek für das Interview und wir freuen uns weiterhin von Ihnen zu hören!